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Samstag 20. 03. 2010
C&C3

Command & Conquer 4 im Test: Viel Neues, wenig Gutes - das Ende einer Strategie-Serie

Der vierte Teil der Tiberium-Saga, so hofften wir noch in der Vorschau zum Titel, würde alle Story-Fäden zusammenführen und auch Taktik abseits des Tankrushs bieten. Die ernüchternde Wahrheit aber zeigt sich nun im Test. Command & Conquer 4: Tiberian Twilight ist ein Actionspektakel mit vielen guten Ansätzen, die leider nur allzu schnell im Sande verlaufen.

Im Allgemeinen ist das Balancing zwar nicht perfekt, aber auch keine Katastrophe. Nur die Reparatureinheiten sind zu mächtig, heilen teilweise mehr Schaden, als Gegner verursachen können, und gehören in jede Truppe. Ansonsten hat jede Einheit ihre Stärken und Schwächen. Mammuts zum Beispiel versagen kläglich gegen Laserangriffe. Diese Balance ist besonders wichtig, da Command & Conquer 4: Tiberian Twilight ein Spielerprofil führt, in dem Sie sowohl im Gefechts-Modus als auch in Einzel- und Mehrspieler-Partien Erfahrungspunkte ansammeln und Einheiten freischalten. Da auch später freigeschaltete Einheiten Schwachstellen haben, hat ein fortgeschrittener Spieler keine Vorteile gegenüber einem Profi - jedenfalls in Mehrspieler-Partien. Für die Kampagne stellt dieses System aber ein Problem dar. Mit fortgeschrittenen Einheiten kommen Sie in den geskripteten Events der Einzelspieler-Missionen tatsächlich besser voran. Ganz böser Fehler dabei: Sie können im Gefechts-Modus auch einfach ein Match starten, in dem vier starke KI-Spieler auf Ihrer Seite gegen einen schwachen KI-Gegner kämpfen. So bekommen Sie etwa 200 Erfahrungspunkte, ohne auch nur die Maus anzurühren. Aber auch wer nicht trickst, hat die 20 Levels des Profils (pro Fraktion) und damit alle Einheiten und Spezialaktionen in etwas mehr als einer Woche freigespielt. Langzeitmotivation bringt das nicht.

Grafisch hinkt der vierte Teil der Serie den Genrekollegen hinterher. Die in die Jahre gekommene Engine läuft zwar flüssig und zaubert tolle Explosionen auf den Bildschirm, gerade Texturen für Bodenbeläge und Gebäude sind aber extrem matschig. Zudem steht die karge Landschaft in krassem Kontrast zu den knallbunten Hilfseinblendungen des Spiels. Für fast alles bekommen Ihre Einheiten zusätzliche Umrandungen oder Effekte. So werden zum Beispiel die positiven und negativen Effekte (Buffs und Debuffs), die einige Vehikel den umstehenden Kollegen verpassen, mit farbigen Kreisen angezeigt und wenn eine Einheit sich besonders gut gegen einen Gegnertypus eignet, sehen Sie das an violetten Feuerstößen. Wo Ihr Crawler landen kann, kommen noch bunte Hexagon-Felder hinzu. All das wirkt überladen und auf den ersten Blick verwirrend. Auch die geskripteten Events, die innerhalb der Spielgrafik ablaufen und von Mini-Videos am oberen Bildschirmrand begleitet werden, wirken eher lächerlich. Die Audio-Abteilung fügt dem Spiel nichts sonderlich Tolles hinzu. Die nur auf Englisch verfügbare Sprachausgabe ist unspektakulär und die Musik kommt über düdeligen Genrestandard nicht hinaus.

Wer will, kann die Kampagnen-Missionen auch kooperativ zu zweit angehen. Neue Aufgaben oder forderndere Gegner bekommen Sie dadurch aber nicht. Sie können sich lediglich von einem Kollegen durch die Mission geleiten lassen, falls sie Ihnen zu schwer ist. Die Chancen des klassenbasierten Gameplays verschenkt EALA im Einzelspieler-Part also völlig. Das neue Spielsystem kommt nur im Mehrspieler-Teil so richtig zur Geltung, in dem bis zu fünf Mann pro Team gegeneinander antreten. Hier zeigt sich auch, worauf Command & Conquer 4: Tiberian Twilight eigentlich ausgelegt ist: auf schnelle, effektreiche Online-Schlachten, in denen die Vorteile der drei Klassen gut ineinandergreifen. Eingespielte Teams können sich hier gegenseitig unterstützen und so eine Partie schon früh für sich entscheiden. Aber auch Anfänger werden nicht ausgeschlossen. In den Gefechts-Spielen gegen den Computer zeigt sich aber, dass die KI nicht sonderlich geschickt ist, sondern auf den höheren der fünf Stufen einfach nur schneller agiert.

Schade eigentlich, das so eine tolle Spielreihe, so unspektakulär zu Ende geht.

Gruß
Cool Man

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